Freitag, 9. September 2016

Das grösste Ja zum Leben


Das ist unmöglich sagt die Angst.

Zuviel Risiko sagt die Erfahrung.

Macht keinen Sinn sagt der Zweifel. 

Versuchs flüstert das Herz!

Das grösste Ja zum Leben - das war der Versuch einer neuen Schwangerschaft! Nichts erforderte so viel Mut, so viel Kampfgeist, so viel Energie und so viel JA! 
Wir haben es als Ehepaar früh diskutiert - was wird uns mehr helfen - ein Versuch oder eben loslassen, sein lassen. 

Ich hatte mich auf ein Kind gefreut, die Geschwister hatten sich gefreut, mein Mann hatte ich gefreut - da war so eine grosse Leere, so viel Liebe. 
Unser Sohn hat uns bald darauf angesprochen, warum wir es nicht nochmal versuchen. Ich habe gefragt, was sei, wenn es wieder schief geht. Er antwortete:"Mama, es ist doch schon auch schon zweimal gut gegangen." Das absolute Ja, von beiden Kindern zum Thema Folgeschwangerschaft half uns, dass wir uns getraut haben, den Weg zu gehen. Und so haben wir gewagt und gewonnen.


Leo Raphael - das erste Mal die Augen auf

Eine gefühlt unendliche lange Schwangerschaft, mit unendlichen Ängsten, die mich teils mitten in der Nacht umtrieben, Sorgen, Ängste, Sorgen - die kaum jemand verstand. Es war schwer erklären, was in uns vorging - noch schwerer, als Trauer zu erklären. Aber es gab Ärzte, die wussten, wie Eltern wie wir ticken und es gibt Gott sei Dank Internetforen mit lieben Gruppen zu dem Thema - wir haben alles genutzt, alles was half. 

Am Ende bin ich wild entschlossen in den Kaiserschnitt marschiert, hoch erhobenen Hauptes - es war die richtige Entscheidung, voll und ganz! Und dann war er da! Unser kleines Folgewunder Leo (stark wie ein Löwe soll er werden) Raphael (Gott heilt). 
Erstmal unfassbar und heute so real und fast selbstverständlich - ein halbes Jahr alt, qietschfidel, fröhlich und gesund.

Wir sind soo Dankbar! Dankbarkeit habe ich gelernt ist der Weg zum Glück und das glaube ich ganz fest, denn wir sind sehr, sehr glücklich zu Fünft.

Wir sind weiter, ein Stück, aber nicht am Ende des Weges und das ist auch erstmal sehr in Ordnung so.

So, jetzt wisst ihr, was mich hier fern gehalten hat - was hätte ich schreiben sollen? Ich hätte keine Antwort in der Zeit geben können und nichts erzählen wollen, aus Angst, nochmal vom Schlimmsten berichten zu müssen. Müssen muss ich nicht, aber nun ja - ich habe es begonnen, als ich hier davon erzählt habe. 

Hu, für mich sehr viel privates; ;-)) 

Danke fürs Lesen! Danke fürs Anteil nehmen! Ich hoffe ich kann Euch mit dem Fortgang hier auch etwas zurückgeben!;-)
So, ich bin erstmal echt erschöpft von meiner Reise zurück - ich bin viel bei Instagram - besucht mich dort. Meine Drei lassen nicht mehr viel Zeit fürs bloggen und sie gehen, ihr werdet es verstehen momentan vor - ich versuche ab und an mal wieder was hier zu zeigen, aber obs klappt, weis ich noch nicht.

Liebe Grüße LOLO

Der lange Weg


... zurück ins Leben.

Was soll ich sagen? Für jemand, dem nie einen Schicksalsschlag wie unserer mit unserem dritten Kind passiert ist, ist es warscheinlich ein lästiger Gedanke, wie lange und mühevolle unser Weg ist und nicht nachvollziehbar wie schwierig. Irgendwann holt uns im Leben alle die Trauer ein, früher oder später - wenn auch sehr unterschiedlich Art und Weise. Etwas darüber zu wissen, vorher, hätte mir vielleicht auch gut getan.
Ich habe Euch hier vom bisher größten Schmerz in meinem Leben erzählt (auch wenn ich immer sparsam mit privatem bin), denn ER gehört zu mir - mit er meine ich den kleinen Moritz und den Schmerz. Vielleicht trägt mein Geschreibsel hier auch etwas zum Verständnis für Mütter mit Sternenkindern bei -  auch wenn wir alle unterschiedlich fühlen und andere Dinge brauchen.
Ich möchte Euch von meinem Weg erzählen - manche haben ja immer wieder gefragt wie es geht. besonders weil so lange Ruhe war.

Zu Beginn waren Schmerz und Verzweiflung einfach furchtbar. Ich hätte so gerne aufgegeben - aber da waren mein Mann und meine Familie. Ich brauchte sie und sie brauchten mich. Es half nichts - die Kinder trauerten - wir mussten zurück ins Leben mit aller Macht. Also, alles regeln... alles ordnen... die Gedanken, das Leben.... alles. Ich begann mit dem was getan werden musste, damals - der Steinmetz merkte schnell, dass ich mit dem Standard nicht glücklich wurde und ermutigte mich selber einen Entwurf für unser Familiengrab, denn das ist es nun, zu machen. Ich wollte eine Familie - wenigstens dort sollte es sie geben. Also gibt es sie: Mama, Papa und das Kind und weil ich Glas so liebe - ein grosses Herz - damit auch jeder versteht: Wir lieben dieses Kind!


Trauer sagte mir jemand, verläuft in Wellen; erst geht es hoch und runter und später geht es nicht mehr so hoch und so weit runter und irgendwann.... eines Tages plätschtern die Wellen an einen Strand. Ob ich dort schon bin, das weis ich nicht. Ich habe glernt die Trauer zuzulassen im Laufe der Zeit. Sie kommt und geht wie sie will. Ich kann sie nicht aufhalten, ebenso wie die Tränen oder den Schmerz. Sie gehört eben jetzt einfach zu mir. Das war ein langer Lernprozess, an dessen Anfang ich nur alles vergessen wollte und lieber nichts mehr gespürt hätte. Aber dann hätte ich unseren Allerkleinsten vergessen und das würde ich nie wollen. 

Ich musste mir alles neu suchen - was hilft mir, was tut mir gut, was ertrage ich, wo werde ich auf keinen Fall Babys treffen und wo nicht darüber reden müssen und wenn so, wie ich es ertragen kann? Sport hat dabei fast die wichtigste Rolle gespielt, von fast Anfang an - mein Misstrauen meinem Körper gegenüber war groß- war er schuld? Warum ist es passiert? Hätte ich etwas merken können? Stimmt etwas nicht mit meinem Körper? Sport setzte zusammen, was zusammen gehörte - Körper und Psyche. Zuerst nur zögerlich mit Pilates, dann mehrfach die Woche Laufen und später mein altes geliebtes, zwischenzeitlich abgelegtes Hobby Reiten. Ich liebe Islandpferde! Schon ewig! Ich habs mir nur verkniffen, der Kosten wegen. Aber es tat mir sooo gut! Und wer hätts gedacht, auch meinem Mann.;-)


Gleichzeitig verlor ich noch oft die Balance zu Hause - was wenn andere Kinder meine nicht mehr treffen mögen, uns komisch finden, was wenn andere Menschen uns lieber aus dem Weg gehen. Hier war sicher das schmerzlichste, dass meine seit Jahren beste Freundinn nicht verstand, dass ich sie brauchte und sich verabschiedete. Aber ich hatte keine Kraft noch um eine Freundschaft zu kämpfen - ich brauchte alles für uns hier. Manchmal muss man etwas eben einfach akzeptieren.

Noch während der Schwangerschaft mit unserem Allerkleinsten hatte ich den Traum wie eine liebe Bekannte die ganz wundervoll Harfe spielt ebenso spielen zu wollen. Da war dieses Bild: Ich spiele und er liegt glücklich daneben. Nun gab es ihn nicht mehr, aber das Bild das gab es noch. Also habe ich sie gefragt, ob sie mir das Harfespielen beibringt - und ich fing an zu spielen. Noch bin ich einfach grottig - aber ich habe auch über Jahre meine Musikaversion gelebt - ich konnte einfach nie Noten lesen und fand klassische Musik noch nie schön. 
Mein Mann macht immer schon Musik und war gleich dabei. Wir brauchten eine Harfe - nicht irgendeine, das was uns gefällt ist eine Böhmische Harfe und keltische Lieder. Wer mal hören mag, schaut bei unserer lieben Elfenclaudia auf youtube rein. Mein Mann baute uns in einem Harfenbaukurs eine Harfe - eine, die uns gerecht wird. Sie heißt in elbischer Sprache "Freund" - steht oben an der Harfe und ansonsten sind die Motive aus Herr der Ringe entnommen.

Gleichzeitig entdeckte ich nach und nach mein altes Leben wieder, neben all dem Neuen - ich kann eben nicht anders, ich liebe nähen, perlen, sticken, zeichnen,... ich brauche es, das bin eben ich. Als ich die Stoffe von Jolijou als Jellyrolls sah, war es vorbei, endgültig! Her damit - das sind alle meine absoluten Lieblingsmotive und ich kriege nie genug davon. Ja, die Decke ist bunt - Schreibunt! Fast zu viel! ;-) Aber in düsteren Zeiten braucht es eben mehr Farbe. Die Idee etwas zu machen, wo wir alle als Familie uns einkuscheln können, gleichzeitig - das fand ich schön. Also hab ich gewerkelt, geschnitten und genäht. Die Idee und Anleitung ist von hier.

Ihr habt schon einiges gesehen, was ich in der Zeit gemacht habe, aber die Krönung war wirklich die Decke. Wir alle behandeln sie mit großer Sorgfalt, auch die Kinder. 

Neben den Dingen, die im privaten passierten mussten wir auch noch einen Weg bei den Ärzten gehen - ich machte mir eine Liste mit allen Ärzten, die etwas über mich herausfinden könnten. Welche Gründe gibt es, warum so ein Kleines stirbt? Was kann schief gelaufen sein? Ich lies alles untersuchen: Blut, Genetik, .... 
Unser Kind wäre G E S U N D gewesen!
Ich bin G E S U N D!

Schmerzhafte und wundervolle Wahrheit und trotzdem ungelöster Fall. Aber so ist das eben. Vor jedem Arztbesuch unendliche Angst, Wahrheiten zu hören, die schwer zu ertragen wären - danach unendliche Erleichterung und ja, Fassungslosigkeit - ich bin gesund, er war gesund! Dankbarkeit für meine Gesundheit und so viel Schmerz, weil sein Tod so sinnlos war.
Da gibt es Leute die sagen einem: Es hatt wohl so sein sollen... Leut, die sagen: Gott hat das gewollt... Leute, die sagen: Er ist ein Engel... - mir ist es egal, wie jemand das für sich einordnet - da muss jeder SEINE Lösung finden - aber oft, eigentlich immer fehlt der Respekt, meine anzuhören und zu akzeptieren - MEINE heisst: ER WOLLTE LEBEN; ER WOLLTE HIER SEIN! Aber es passierte ein Unfall, ein schrecklicher Unfall, den die Medizin nicht erkennen kann. Nach all meinen Recherchen ist das nämlich die Erkenntnis und da hilft mir kein Hokuspokus und kein Religonsgesülze: Es wird nicht geforscht dazu. Es gibt kaum Ärzte in Europa - nur fünf soll es geben, die sich damit auskennen. In USA wird nur Statistik zum Thema gemacht. Wir leben bei diesem Thema im tiefsten Mittelalter - aber ich bin nicht bereit mir vorgefertigte, verallgemeinernde Antworten aus dem Mittelalter zu eigen zu machen. Für andere Leute passen diese Antworten, sind sie Erklärung um mit dem Tod umgehen zu können, bevor sie ihn aus ihrem Leben schnell wieder verdrängen können. Ich als Trauernde brauche andere Antworten, die mich trösten und die kann man sich vielleicht nur selber geben. 
Das Selbstbewusstsein habe ich aber selten, meine Meinung deutlich zu sagen, ich bin oft vor Schmerz sprachlos, wenn mir wieder eine fremde Erklärung helfen soll. Ich kann damit umgehen.

Vielleicht hilft Euch das Wissen in Zukunft - lasst die Erklärungen für Trauernde, die helfen nicht und können verletzen. Auch wenn es bei uns so "üblich" ist. (hier kann man mehr, viel mehr zum Thema lesen)

Falls ihr fragt: Ich war nur einmal bei einer Psychologin - als Trauernder braucht man diese erst, wenns problematisch wird - das habe ich mir dort erklären lassen. Trauer kann man nicht heilen, man muss da durch, kein Psychologe kann einem den Weg abnehmen. Dafür gibt es Trauerbegleitung - und ich habe festgestellt, dass die Beste die eigene Familie ist. Aber auch Bekannte gab es die zu Freunden wurden und mit uns den Weg gegangen sind - manche kannten wir, mache haben wir erst richtig gut danach kennen gelernt. 

So nach und nach ging es also voran - alles geklärt, alles geordnet... und wenn ihr hier angekommen seid und durchgehalten habt, dann seid ihr toll! Danke fürs Lesen!
Und ich schreib auch gleich, wies weiter ging - erstmal waren wir im Urlaub in Mallorca, wie schon mal gezeigt und dann nochmal in Österreich - Energie tanken!

Danke fürs Lesen!

Lolo




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