Montag, 3. August 2015

Einmal Paradies und zurück

schnell noch genäht - meine Kugeltasche mit Carlitos

So oft überlege ich, was ich denn jetzt von uns schreiben soll, wenn ihr fragt, wies mir geht. Es ist so schwer darauf zu antworten - es gibt die einen und die anderen Tage. Wir üben uns im Leben sage ich oft, wenn ich gefragt werde, denn das ist es was wir im Kern wieder lernen müssen: zu Leben. Einfach nur zu Leben ohne Sorgen, ohne Ängste, was hinter der nächsten Ecke auf uns warten könnte. Es klingt ganz einfach, ich weis. Für uns ist es aber wirklich nicht einfach. Noch im Krankenhaus haben wir uns eines versprochen: Egal wie es finanziell geht, ein Urlaub muss diesmal drin sein - einer, wie ihn sich die Kinder wünschen - mit Sonne, Meer, Strand und Flugzeug. Genau das haben wir auch gemacht: Mallorca. 10 Tage an Pfingsten.

Bonicactus - ich liebe diese Kugelkakteen!
 Was soll ich Euch sagen? Es war herrlich! Wir haben es so genossen. Seit Jahren haben wir auf so eine Reise verzichtet. Ein Haus zu haben ist toll und wir haben gerne verzichtet, wirklich! Aber für uns war dieser Urlaub das Abtauchen in eine andere Welt - weit weg von unseren Sorgen. Völlig eingenommen von all dem Neuen, dem wir dort begenet sind. Es war sooo schön. Tatsächlich wollte ich das erste Mal in meinem Leben aus einem Urlaub nicht heim... Das ist noch nie passiert. Aber ich wusste natürlich, dass mich zu Hause die Trauer wieder einholt. Es ist so leicht, wenn wir alle zusammen sind. Dann ist unsere Welt in Ordnung.

La Palma - die Kathedrale
 Wir haben richtig viel angeschaut und noch mehr in unserem eigenen Pool geplanscht. Es wurde die Tage dort so langsam richtig warm, am Ende war es heiß. Für uns wars genau richtig. Wir sind im kalten Deutschland gestartet und konnten uns langsam dort eingewöhnen, bevor es dort so langsam hoch ging. Unser Haus war ein Traum. Wunderschön und modern mit eigenen Pool. Die Kinder waren hin und weg. Manchmal mussten wir sie schon zum Strand ziehen. Aber Muscheln suchen und im Sand buddeln waren dann doch auch ganz gut...;-)
Ich weis gar nicht, ob jemand das nachvollziehen kann, der nicht etwas ähnliches wie wir erlebt hat - aber so ein Urlaub ist wirklich Balsam für die Seele. 

Um so mehr habe ich geschluckt, als wir wieder zu Hause waren. Die Trauer und die Tränen kommen und gehen. Daran habe ich mich gewöhnt. Das ist jetzt eben so bei uns, bei mir denke ich dann. Nicht immer können andere das verstehen, aber das ist mir inzwischen egal. Unsere Trauergedanken, unsere Wege sind anders als die von Trauernden, die um jemand trauern, den sie wirklich gekannt haben. Wir haben unseren Sohn ja nur vage gekannt. Manches schmerzt mehr, z. B. dass wir ihn eben nicht gekannt haben und doch ist es auch ein kleiner Schutz für uns und eben auch wieder nicht. Das Leben wird nicht schlechter, das denke ich kann ich jetzt sagen - aber jeder Tropfen Leben wird intensiver. Das Leben ist nicht mehr schwarz oder weiß - ich habe das Gefühl jetzt erst sehen zu können wie viele Farben es hat, die ich vorher nicht immer wahrnehmen konnte. Ich bin so dankbar für mein Leben, für meine Gesundheit, für die meiner Kinder und meines Mannes - tief und ehrlich dankbar.
... Trauer ist wie die Meeresbrandung habe ich von jemand gesagt bekommen - und das ist war. Erst geht es hoch und runter und dann langsam, ganz langsam werden die Wellen etwas weniger hoch. Der Schmerz nimmt an Schärfe ab. Ich bin noch nicht mit meinen Wellen am Strand, aber ich kann wieder Luft holen bevor die nächste Welle kommt. 
 
manchmal ist Schnecke sein nicht verkehrt im Leben - diese zwei habe ich mit den Kindern gefilzt

Manchmal, so wie nach dem Urlaub möchte ich verzweifeln, wenn die Trauer wieder kommt. Es wäre so oft leichter aufzugeben. Aber ich habe meine Kinder, ich habe noch was vor hier - es ist also keine Alternative. Ich habe mich bisher zurückgekämpft ins Leben: 2x die Woche walken (und viele Male noch mehr), 1x die Woche Reiten, 1x die Woche Pilates, Harfe spielen, 10 kg abgenommen und sich ab und an mal hängen lassen in der Trauer, wenn sie eben wieder kommt. Ich bin stolz auf mich! (ehrlich - sonst hatte ich nach zwei Jahren den Speck noch nicht runter nach der Enbindung meiner beiden ersten Kinder)
Der Urlaub war auf unserem Weg eine richtig große Hilfe. 

Wir gehen unseren Weg weiter!
Liebe Grüße LOLO

Kommentare:

  1. Wenn ich diesen Blogeintrag so lese macht es mich sehr traurig. Wie sehr du um deinen Sohn trauerst es drückt einem das Herz zu.
    Aber du machst es prima wie du damit umgehst und darüber sprichst und schreibst.
    .....lebe....liebe....und genieße ♡
    Machs gut, ich drücke dir die Daumen dass du weiter so Stark bleibst.
    Sandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, nicht traurig werden! Wir tragen unser Schicksal selbst 😉 - aber ich will gerne Mut machen, dass man an einem Schicksal nicht verzweifeln muss.

      Lieben Dank für Deine mutmachenden Worte! Lolo

      Löschen
  2. Liebe Lolo,
    schön mal wieder von dir zu lesen. In Gedanken bin ich oft bei euch. Mit eurem Urlaub habt ihr ja alles richtig gemacht und das du trotz der Trauer DICH nicht verloren hast und aktiv daran arbeitest ist einfach nur SUPER!
    Deine Kugeltasche ist toll geworden, ich bin auch lange um den Stoff geschlichen. Dein Jahreszeitentisch ist wieder wunderschön. Vielleicht findest du ja zum Herbst hin noch eine schöne Wurzel, Zoofachgeschäfte sind da gute Lieferanten.

    Bis dahin hab noch einen schönen Sommer, genieße deine Kinder und die Fülle des Lebens.

    Liebe Grüße
    Manu

    AntwortenLöschen
  3. Wie schön und ehrlich und einfach... bewegend du das alles in Worte fassen konntest... Ich sitze hier und lese und bin sehr... beeindruckt, berührt. Schon dein Kommentar bei Melanie hat mich echt umgehauen, so weise, so herzliche, so menschlich... Ich schicke dir viele herzliche Grüsse und wünsche dir die Kraft, die du brauchst, immer weiter zu gehen.
    herzlich
    Bora

    AntwortenLöschen

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...